Urlaub auf em Güldenhof 28. - 30.07.06
„Komm los, ich hab nen Ferienhof gebucht“ So ein Angebot von Fabian lässt man sich im Hochsommer eigentlich nicht entgehen. Also die Gedanken an ein Grundlagen Wochenende schnell begraben, schnell ins Internet geschaut: Höhenprofile flach wie ein Streuselkuchen, eine eigene Hobbywertung, 4 unterschiedliche Etappen, alles mit dem MTB. Also schnell Hardtail und Fully ins Teamfahrzeug geschmissen, „S“ für „schnell“ im Getriebe eingelegt und schon gings am frühen Freitag ab nach Norden
Bad Bevensen?
Wo ist das denn jetzt? Werden einige Fragen, ich wusste es bisher ehrlich auch noch nicht. Aber das Navi ortet die Veranstaltung irgendwo hinter Uelzen in der Lüneburger Heide. Querab von Bremen, unterhalb von Hamburg. Nicht gerade das Epizentrum des MTB Sport, aber viel Auslauf haben die hier anscheinend.
Am Freitag abend findet dann der Prolog, ein Ausscheidungsfahren über eine 800 Meter Runde statt. „Kommen da noch mehr?“ fragen sich Fabian und Jörg aus dem Harz. Dano und Sandra von Stevens, das Springe MTB Team mit den Herren Mindt und Mordmüller, ein vereinzelter Velosport Fahrer und ein paar Fahrer vom Heimatverei n BadBevensen stehen an der Startlinie. Mit Wuppertaler Kennzeichen angereist ist auch der aktuelle Deutsche Meister im Cyclocross J. Sickmüller, also Konkurrenz ist qualitativ genügend vorhanden. Stevens gibt mit Dano Danowski und Siggi Sickmüller auch den Ton im Rennen an. Ich kann mich die ersten Runden vorne halten, meine Hobby Konkurrrenz dezimiert sich in den Sandkurven. Die professionellen Cheerleader geben alles, ich auch. Als die Profis ernst machen ist der Spass für mich vorbei ein kurzes Vergnügen, aber immerhin bringt es mir das Felt Leadertrikot ein, inklusive Cheerleader Küsschen. . Und sowas verleiht ja bekanntlich Flügel ;-))
Stadtmenschen auf dem Reiterhof
Aber abends beziehen wir erst mal unseren Ferienhof. Besser gesagt die Betten. Dano und ich entscheiden uns für ein Jugendzimmer mit Pink Bettwäsche, schade das ich meine Stoffpuppen vergessne hab. Die Umgebung wird erkundet, so viele Tiere... Faszinierend für so Stadtmenschen aus Hamburg und Unterbarmen. Die Räder stehen in den Ställen oder da wo sonst die Zügel rum geshclungen werden. Überall Heu und Fladen. Auch sonst gibts viel zu entdecken: Pferde ohne Erektionsprobleme, scharfe Hunde, Katzen in allen Größen, Frösche auch, und Fliegen, Stechfliegen, Mücken, Stechmücken.. Vor allem bei offenem Fenster nachts - Toll.
Bergsprint
Am nächsten morgen regnets. Alle stehen mäßig warm gefahren an der Startlinie zum Bergsprint. Statistisch gesehen hat die Hälfte der Fahrer ein Leadertrikot an. Eine gute Klasseneinteilung machts möglich. Das Zeitfahren startet relativ flach, um nach einer kleinen Abfahrt in einer Mörderrampe zu enden, die so gar nicht in diese flache Heidegegend zu passen scheint. Ich orientier mich am Windschatten der Stevens Jungs. Alles verläuft planmäßig, bis Fabian eine Attacke setzt und Augenblicklich das gesamte Peloton zerbröselt. Immerhin kann ich am letzten Berg noch am Horizont sehen, das Herr Sickmüller Herr Danowski den Vortritt lässt, und Fabian und Jörg sind auch nicht so weit weg. Weil ich kleine Lust auf Waschen habe, bekomme ich ein neues Leadertrikot.
Klasse fahrt!
Nach einem gemeinsamen Mittagessen aller Rundfahrt Teilnehmer werden erst mal die Naturalgewinne ausprobiert. Die Gruppe um Fabian probiert sich im Boomerang werfen, Herr Danowski beschmeißt ahnungslos brütende Tauben mit kiloschweren Pflastersteinen. Das einzige Auto, das heute durch den Ort Zernien fährt bekommt eine LaOla. Es herrscht Stimmung wie auf einer Klassenfahrt! Das Wetter ist wieder gewohnt gut, perfekt, alle haben Spass.
Am Samstag abend dann startet das Cross Country Rennen. Beim Abfahren der Strecke wechselt jeder, der die Möglichkeit hat sofort auf sein Fully. Was ist auch zu Erwarten wenn ein Reiterhof ein MTB Rennen veranstaltet? Die Strecke ist bis auf einen Stich sehr flach, schnell gefahren aber doch anspruchsvoll. Kaum Schotter, kaum Asphalt, viel Wiese und Sand. Start auf der Dorfstrasse, alle plästern im Gerangel um die besten Plätze los, 90 Grad Kurve, da steht der BDR Obmann und will das Feld anhalten! Die Vorderräder stoppen genau 10 cm vor dem Danger Seeker. „ Ich wünsche allen eine gute Fahrt, jeder fährt auf eigene Verantwortung, etc blabla, eins los!“ Weiter geht’s.. Die Profis hatten sich abgesprochen: „die erste Runde langsam“.. Das ist ungefähr so, wie wenn wir uns zu einer lockeren flachen RTF verabreden. Eine halbe Runde kann ich am hinteren Zipfel der 6 Mann Spitzengruppe lutschen, dann mach ich mal lieber mit ein paar Tagesfahrern die erste offizielle Verfolgergruppe auf.
Get famous
Nach dem letzten Anstieg versuche ich meine Gruppe zu sprengen, und leg mich direkt vor Augen der Stevensfahrer auf die Nase. Knie blutig, und um Spott am Abend brauch ich mich nicht mehr kümmern. Im Ziel legt der unermüdliche Streckensprecher Peter R. aus Bramsche dann noch einen drauf: „Und da ist er im Ziel, im Leadertrikot was er damit behalten wird, Matthias O. aus W., letzte Woche noch als Favorit beim Rennradrennen in Kassel spektakulär gestürzt und auch jetzt ist sein Knie wieder ....“ Naja, auch so wird man berühmt.
Nach einer schönen Grillparty und Phosphat bunkern im Freibad heißt es für uns früh schlafen. Der Hahn kräht um 5.30 Uhr. Unerbittlich. Die Startvorberietungen sind entspannt, ich liebe diese Stimmung bei Etappenrennen. Jeder weiß inzwischen wo er steht. Es sind aber auch glücklicherweise ein paar neue Tagesfahrer mehr da. Die werden sofort taxiert. Ich hoffe auf eine bessere Verfolgergruppe. Der Kurs ist lang und beinhaltet heute außer zwei empfindlicher Höhenmeter Spitzen eine kraftraubende, zwei Kilometer lange Sandpassage und sehr schöne schnelle Heide Trails. Bis zur Sandpassage darf ich wieder im „Sickmüller/Danowski Heide Express“ mit fahren. Danach bau ich mir meine eigene Gruppe. Bei der zweiten Runde erwähne ich nur nebenbei: “Booah, als Lizenzfahrer 8 mal das Ding hoch, das würd mir stinken..“ Psychologisch zum richtigen Zeitpunkt lassen alle um mich herum ihre Flügel hängen und ich bin den Rest der Tour alleine. Durch Platten im Profifeld kann ich mich zwischenzeitlich sogar an 5te Position Gesamt schieben. Aber wir Hobbyfahrer dürfen ja schon zwei Runden eher aufhören.
Danos Fauxpas
Das Lizenzrennen ist knapper in der Konkurrenz. Und die Gesamtwertung der vier Etappen wird dann auch durch einen Platten entschieden: J. Sickmüller fährt platt, Dano holt sich den Sieg im Marathon und damit auch die Gesamtwertung. Da das jetzt zwar erlaubt ist, seinen Kollegen aus dem Schuh zu Fahren, aber nicht aus dem Trikot, gibt’s bei der Siegerehrung etwas verstimmte Gesichter bei Stevens - und sicherlich eine gut klimatisierte Rückfahrt für Dano nach Hamburg.. Aber als Deutscher Crossmeister sollte Herr Sickmüller da einfach mal drüber stehen. Die Cross Saison kommt noch. Und trotz dieses kleinen Fauxpas war es doch ein schönes Wochenende auf dem Bauernhof, oder?
Fazit: Unbedingt wiederholenswert!
Alle Teilnehmer werden auf jeden Fall auf die nächste Ausgabe des BadBevenser Etappenrennens warten. Organisator Henry Thiel hat super Arbeit geleistet, hoffentlich spricht sich das weiter südlich bei den Etappenfahrern durch. Die Veranstaltung hat definitiv mehr Starter verdient! Sie ist der Beweis, das man auch nördlich vom Harz sehr schön Mountain Biken kann. Und das Etappenrennen in Deutschland durchführbar sind. Wir werden auf jeden Fall nächstes Jahr wieder am Start stehen!
See you next Year , im Güldenhof!
Leadertrikot mo)
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